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DOI – der Dialogorientierungs-Index

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich wieder intensiv mit der Dialogorientierung in der Online-PR. Eine wesentliche Frage ist: Was ist denn eigentlich die Dialogorientierung? Und wie kann ich feststellen, ob nun ein Instrument der Online-PR mehr oder weniger dialogorientiert ist?

Für den Zweck meiner Dissertation habe ich Dialogorientierung mit Hilfe von drei wesentlichen Strukturdeterminanten operationalisiert. Der Dialogorientierungs-Index (DOI) ergibt sich also aus der Betrachtung von folgenden drei Dimensionen: User-Kontrolle (Wie leicht ist es für User, die Kommunikator-Rolle zu übernehmen?), Offenheit (Wie leicht ist es, den Kommunikationsprozess als Dritter von außen zu beobachten?) und Konnektivität (Wie leicht entstehen Verbindungen zwischen Usern oder deren Beiträgen?).

Für die Strukturdeterminanten User-Kontrolle, Offenheit und Konnektivität habe ich jeweils 3 Stufen (Ausprägungen) definiert, durch die sich Online-Dienste aus Sicht der dialogorientierten Online-PR unterscheiden.

Strukturdeterminante 1: User-Kontrolle

  • keine User-Kontrolle: Wenn eine Online-Anwendung derart gestaltet ist, dass User die Kommunikator-Rolle gar nicht oder nur dann wahrnehmen können, wenn der PR-Treiber dies im Einzelfall aktiv zulässt, haben User keine Kontrolle über die Kommunikation.
  • mittlere User-Kontrolle: Wenn User generell Voraussetzungen für die aktive Teilnahme an einem Kommunikationsprozess erfüllen müssen, im Einzelfall aber ungehindert kommunizieren können, dann verfügen sie über mittlere Kontrolle über den Kommunikationsprozess.
  • hohe User-Kontrolle: Ist hingegen ein Instrument der Online-PR jedoch so gestaltet, dass User ihre Rolle als Kommunikator ohne Erfüllung von generellen Voraussetzungen und ohne aktives Zulassen des PR-Treibers im Einzelfall wahrnehmen können, so verfügen sie über hohe User-Kontrolle.

Strukturdeterminante 2: Offenheit

  • keine Offenheit: Keine Offenheit (geschlossene Kommunikation) liegt vor, wenn ein zweiseitiger Kommunikationsprozess nicht von Dritten rezipiert werden kann.
  • mittlere Offenheit: Von einer mittleren Offenheit (eingeschränkt offene Kommunikation) wird gesprochen, wenn die Rezeption eines zweiseitigen Kommunikationsprozesses an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist.
  • hohe Offenheit: Ein zweiseitiger Kommunikationsprozess weist hohe Offenheit auf, wenn jeder beliebige Internet-User diesen ohne Erfüllung von Voraussetzungen wahrnehmen kann.

Strukturdeterminante 3: Konnektivität

  • keine Konnektivität: Ein Online-Dienst verfügt über keine Konnektivität, wenn Verbindungen zwischen Usern in Form von Kontaktlisten kein zentraler Bestandteil sind und beständige Verbindungen zwischen verstreuten Inhalten nur mit erheblichem Aufwand realisiert werden können.
  • mittlere Konnektivität: Ein Online-Dienst weist mittlere Konnektivität auf, wenn entweder Kontaktlisten zentraler Bestandteil sind, oder Mechanismen zur Verfügung stehen, die beständige Verbindungen zwischen verstreuten Inhalten automatisiert herstellen oder solche Verbindungen unterstützen.
  • hohe Konnektivität: Ein Online-Dienst verfügt über eine hohe Konnektivität, wenn er sowohl Kontaktlisten als auch Verbindungs-Mechanismen für verstreute Inhalte anbietet.

Wenn man den Grad der Dialogorientierung von Online-Instrumenten bestimmen will, muss jede Strukturdeterminante analysiert und einer der drei Stufen zugeordnet werden. Insgesamt gibt es 27 unterschiedliche Möglichkeiten der Kombination, die der untenstehenden Tabelle entnommen werden können. In der Praxis ist nicht davon auszugehen, dass alle Kombinationsmöglichkeiten für konkrete Realisierungen von Online-Diensten Anwendung finden, aber alle sind zumindest theoretisch möglich.

In der Spalte ganz rechts wurde jede der Kombinationsmöglichkeiten auf eine Stufe der Dialogorientierung reduziert. Dies ist eine Vereinfachung: Letztlich dient die Betrachtung der drei Strukturdeterminanten dazu, eine von drei Stufen der Dialogorientierung zu ermitteln.

Die 27 Kombinationsmöglichkeiten wurden mit Hilfe des Dialogorientierungs-Indexes (DOI) den vier Stufen der Dialogorientierung zugeordnet. Jede Ausprägungsstufe einer Strukturdeterminante wurde für die Index-Bildung mit einer Punkteanzahl gleichgesetzt:

  • keine Ausprägung = 0 Punkt
  • mittlere Ausprägung = 1 Punkte
  • hohe Ausprägung = 2 Punkte

Für jede Kombinationsmöglichkeit wurde die Punkteanzahl aller drei Strukturdeterminanten addiert und einer Stufe der Dialogorientierung zugeordnet:

  • 0 Punkte = keine Dialogorientierung, Monolog (wenn jeder der drei Strukturdeterminanten einen Null-Wert aufweist, ist keine Dialogorientierung gegeben und daher handelt es sich um ein monologisches PR-Instrument)
  • 1-2 Punkte = geringe Dialogorientierung
  • 3-4 Punkte = mittlere Dialogorientierung
  • 5-6 Punkte = hohe Dialogorientierung

Abbildung: Dialogorientierungs-Index (DOI) anhand der Ausprägungen der Strukturdeterminanten

User-Kontrolle Offenheit Konnektivität DOI Stufe der Dialogorientierung
1 - - - 0 null (Monolog)
2 - - mittel 1 gering
3 - mittel - 1 gering
4 mittel - - 1 gering
5 - - hoch 2 gering
6 - hoch - 2 gering
7 - mittel mittel 2 gering
8 hoch - - 2 gering
9 mittel - mittel 2 gering
10 mittel mittel - 2 gering
11 - hoch mittel 3 mittel
12 - mittel hoch 3 mittel
13 hoch - mittel 3 mittel
14 hoch mittel - 3 mittel
15 mittel - hoch 3 mittel
16 mittel hoch - 3 mittel
17 mittel mittel mittel 3 mittel
18 - hoch hoch 4 mittel
19 hoch - hoch 4 mittel
20 hoch hoch - 4 mittel
21 hoch mittel mittel 4 mittel
22 mittel hoch mittel 4 mittel
23 mittel mittel hoch 4 mittel
24 hoch hoch mittel 5 hoch
25 hoch mittel hoch 5 hoch
26 mittel hoch hoch 5 hoch
27 hoch hoch hoch 6 hoch

Die drei Strukturdeterminanten User-Kontrolle, Offenheit und Konnektivität werden hinsichtlich ihres Einflusses auf die Dialogorientierung gleich stark gewichtet. Der Grund dafür ist, dass für das vorliegende Modell der dialogorientierten Online-PR angenommen wird, dass alle drei Merkmale etwa den gleichen Einfluss auf den Grad der Dialogorientierung haben.

Wenn man nun den Grad der Dialogorientierung mit Hilfe des oben dargestellten DOI berechet, ergeben sich insgesamt 9 Kombinationsmöglichkeiten der Strukturdeterminanten, die als geringe Dialogorientierung gewertet werden, 13 weitere, die mit mittlerer Dialogorientierung assoziiert werden und 4, die als in hohem Ausmaß dialogorientiert gelten.

Zusätzlich ist in der Zeile 1 der Fall dargestellt, in dem alle drei Strukturdeterminanten einen Null-Wert aufweisen: Wenn es keine User-Kontrolle, keine Offenheit und keine Konnektivität gibt, so handelt es sich um ein Instrument mit keiner Dialogorientierung und folglich um einen monologischen Web-Dienst.

Die Fälle, in denen die Strukturdeterminante User-Kontrolle einen Null-Wert aufweist, scheinen grundsätzlich nicht dialogorientiert sein zu können, da unterstellt werden könnte, dass sie eine wesentliche Bedingung für Dialogorientierung nicht erfüllen: Der Rollentausch zwischen Rezipient und Kommunikator ist fraglich. Es gibt jedoch zwei Gründe, warum trotzdem eine Dialogorientierung vorliegen kann: Erstens bedeutet „keine User-Kontrolle“ nicht, dass die Mitglieder der Teilöffentlichkeiten überhaupt nicht aktiv kommunizieren können – sie können die Kommunikator-Rolle dann wahrnehmen, wenn der PR-Treiber dies im Einzelfall zulässt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Beiträge in Foren oder Blog-Kommentare manuell freigeschaltet werden. Und zweitens ist auch dann eine Dialogorientierung gegeben, wenn der Web-Dienst selbst zwar keinen Rollentausch zulässt, aber durch das Vorhandensein von Konnektivität in Form von Verbindungs-Mechanismen ein Dialog an anderer Stelle ermöglicht wird. Dies ist zum Beispiel dann gegeben, wenn Share-Buttons eine Diskussion über einen Inhalt mittels anderer Online-Dienste wie Facebook oder Twitter ermöglichen.

Mich würde interessieren, was ihr, geschätzte LeserInnen dieses Blogs, vom DOI haltet. Ist das eine sinnvolle Möglicheit, Web-Dienste aus PR-Sicht zu beschreiben? Haben die strukturellen Voraussetzungen (Strukturdeterminanten) etwas mit PR-Zielen zu tun?

Demnächst hier im Blog: Dialogorientierung und Beziehungsentwicklung.

Add comment 18.06.2010.

Dialogorientierte Online-PR: ein Kommunikationsmodell

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„Kommunikationsmodell“ ist jener Suchbegriff, mit dem die meisten User auf diesen Blog kommen. Es wird Zeit, etwas Brauchbares dafür zu liefern ;)

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich wieder intensiv mit meiner Dissertation zum Thema „Dialogorientierte Online-PR“. Kern ist ein Modell, das erklären soll, wie man dialogorientierte Instrumente der Online-PR unterscheiden kann, und in welchen Situationen welche Arten von Online-Diensten am besten dafür geeignet sind, das PR-Ziel zu erreichen.

Ziel der dialogorientierten Online-PR

Wie schon gebloggt, ich bin der Ansicht, dass die Beziehungsentwicklung zentrales Ziel sämtlicher PR-Aktivitäten sein sollte, daher auch als Ziel für dialogorientierte Online-PR gilt. Online-PR ist daher ein Verfahren der Öffentlichkeitsarbeit, das sich spezieller – nämlich netzbasierter und teilweise dialogorientierter – Kommunikationsdienste bedient, um die Beziehungen zwischen einem PR-Träger und seinen relevanten Teilöffentlichkeiten zu entwickeln. Unter Beziehungsentwicklung verstehe ich den Aufbau, die Aufrechterhaltung und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Beziehungen.

Arten von dialogorientierten Online-Diensten

In meinem Kommunikationsmodell argumentiere ich, dass Online-Dienste anhand von Strukturdeterminanten (technisch begründete Bedingungen, die für den Kommunikationsprozess relevant sind) unterschieden werden können.

Das heißt, die erste Frage, wenn man das Ziel der Beziehungsentwicklung vor Augen hat, ist nicht, ob man Twitter oder Facebook einsetzten soll, sondern wie der Kommunikationsprozess durch Strukturdeterminanten bestimmt werden soll. Erst danach werden konkrete Online-Dienste ausgewählt, die die gewünschte Konfiguration der Strukturdeterminanten ermöglichen.

Strukturdeterminanten

Es sind meiner Ansicht nach 3 Merkmale, die dialogorientierte Online-Dienste in ihren wichtigsten Eigenschaften charakterisieren: Das Ausmaß an User-Kontrolle (Wie leicht ist es für User, die Kommunikator-Rolle zu übernehmen?), Offenheit (Wie leicht ist es, den Kommunikationsprozess als Dritter von außen zu beobachten?) und Konnektivität (Wie leicht entstehen Verbindungen zwischen Usern oder deren Beiträgen?).

Ich habe jeweils 3 Ausprägungen (Stufen) dieser Strukturdeterminanten wie folgt definiert:

User-Kontrolle

  • Geringe User-Kontrolle: Wenn eine Online-Anwendung derart gestaltet ist, dass User die Kommunikator-Rolle nur dann wahrnehmen können, wenn der PR-Treiber dies im Einzelfall aktiv zulässt (ein aktives Zulassen der Kommunikatorrolle im Einzelfall liegt zum Beispiel dann vor, wenn Äußerungen von Usern manuell oder automatisch unterstützt überprüft werden, bevor sie online sichtbar werden), so wird dies als geringe User-Kontrolle bezeichnet.
  • Mittlere User-Kontrolle: Wenn User generell bestimmte Voraussetzungen (Beispiele für solche generellen Voraussetzungen sind: User müssen sich für den entsprechenden Online-Dienst registrieren und einloggen oder auf der entsprechenden Social Media Plattform als Freund oder Fan geführt werden.) erfüllen müssen, im Einzelfall aber ungehindert kommunizieren können, dann verfügen sie über mittlere Kontrolle über den Kommunikationsprozess.
  • Hohe User-Kontrolle: Ist hingegen ein Instrument der Online-PR jedoch so gestaltet, dass User ihre Rolle als Kommunikator ohne Erfüllung von Voraussetzungen und ohne Zutun des PR-Treibers wahrnehmen können, so besitzen sie hohe User-Kontrolle.

Offenheit

  • Geringe Offenheit: Eine geringe Offenheit liegt vor, wenn der Kommunikationsprozess nicht von Dritten rezipiert werden kann.
  • Mittlere Offenheit: Von einer mittleren Offenheit wird gesprochen, wenn die Rezeption eines Kommunikationsprozesses an bestimmte Voraussetzungen (zum Beispiel an eine Verbundenheit durch einen Freundschafts-Status in Social Networks oder an eine Registrierung / ein Login in Diskussionsforen) geknüpft ist.
  • Hohe Offenheit: Eine hohe Offenheit liegt vor, wenn jeder beliebige Internet-User den fraglichen Kommunikationsprozess ohne Erfüllung von Voraussetzungen wahrnehmen kann.

Konnektivität

  • Hohe Konnektivität: Ein Online-Dienst verfügt über eine hohe Konnektivität, wenn Verbindungen zwischen Usern in Form von Kontaktlisten zentraler Bestandteil (z.B. bei Social Networks) dieses Dienstes sind.
  • Mittlere Konnektivität: Ein Online-Dienst weist mittlere Konnektivität auf, wenn Kontaktlisten zwar kein zentraler Bestandteil sind, jedoch Mechanismen zur Verfügung stehen, die beständige Verbindungen zwischen verstreuten User-Beiträgen automatisiert herstellen (z.B. Trackbacks) oder solche Verbindungen unterstützen (z.B. Permalinks).
  • Niedrige Konnektivität: Ein Online-Dienst verfügt über eine niedrige Konnektivität, wenn Kontaktlisten kein zentraler Bestandteil sind und beständige Verbindungen zwischen verstreuten User-Beiträgen nur mit erheblichem Aufwand (z.B. manuelle Eingabe von html-Code) realisiert werden können.

Zusammenhänge von Strukturdeterminanten, Situationen und Zielerreichung

In meinem Kommunikationsmodell gehe ich davon aus, dass es für die PR-Praxis entscheidend ist, sich über diese 3 Strukturdeterminanten Gedanken zu machen, sorgfältig die gewünschten Ausprägungen zu selektieren und entsprechend die verwendeten Online-Dienste zu wählen oder zu konfigurieren. Nur dann ist es möglich, je nach Situation das Ziel der Beziehungsentwicklung möglichst gut zu erreichen.

Ich glaube, je nach Situation – zum Beispiel: Indifferenz einer Teilöffentlichkeit, Konsens mit einer Dialoggruppe oder Dissens/Konflikt – sind unterschiedliche Ausprägungen der Strukturdeterminanten zu wählen. Im Rahmen meiner Dissertation werde ich einige dieser Zusammenhänge untersuchen.

Indifferenz

Ein wohl häufiger Fall in der Öffentlichkeitsarbeit: Eine relevante Teilöffentlichkeit steht einer Organisation indifferent gegenüber. Wie kann man hier vorgehen? Ich glaube, man muss in so einem Fall auf monologische Kommunikation, auch im Internet und auch im Social Web, setzen, allerdings Dialogangebote bereitstellen.

Konsens

Auch die Mitglieder einer Teilöffentlichkeit, die sich im Konsens mit einer Organisation befinden, werden nicht sehr aktiv sein. Oder doch? Vielleicht ist es hier notwendig, monologische und dialogische Kommunikation zu kombinieren und bei den dialogorientierten Instrumenten sehr zugänglich zu sein: hohe User-Kontrolle, hohe Offenheit und hohe Konnektivität.

Dissens/Konflikt

In dieser Situation ist davon auszugehen, dass die Mitglieder der betroffenen Teilöffentlichkeit sich artikulieren möchten. Soll eine Organisation dafür online eine Plattform bieten? Ich meine, ja. Allerdings ist zu überlegen, in welcher Ausprägung hier die Strukturdeterminanten gewählt werden sollen. Ich kann mit vorstellen, dass eine Organisation in diesem Fall vor allem Dialog-Angebote mit mittlerer User-Kontrolle, mittlerer Offenheit und mittlerer Konnektivität favorisiert. Oder doch nicht?

Ich bin gespannt, was bei meiner Studie herauskommt. Und würde mich über Kommentare hier freuen.

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1 comment 06.04.2010.

Leben

Neues Leben, hier im Blog. Und Twitter. Und delicious. Zu digitalks gehe ich auch endlich mal. Und noch viel mehr. Ich hab noch keine Ahnung, was da alles werden soll, aber es soll was werden, viel werden.

Eines mal sicher: Die Dissertation lebt wieder! Mehr sehr bald …

Add comment 08.02.2010.

BledBlog

Hab ich das schon erwähnt? Ich fahre diese Woche (Freitag, 4.7. bis Samstag, 5.7.) auf die BledCom!!!

Ich freue mich so richtig darauf, vor allem, weil ja James Grunig, Larissa Grunig, und Yi-Hui Huang (mit der ich in Sachen OPRA vor langer Zeit schon mal in Kontakt war) nach Bled kommen. Und die sind ja besonders wichtig für meine Dissertation. Ja, und ich werde natürlich als Student hinfahren, erstens ist es ja so und zweitens sind 150,- EUR Konferenzgebühr doch deutlich weniger als 550,- EUR.

Eine gewagte Ankündigung: Ich möchte von Bled aus ein BledBlog schreiben, also das dort Erlebte möglichst gleich ins Netz fließen lassen. Abhängig ist das erstens von technischen Möglichkeiten (ich denke, die werden gegeben sein) und zweitens davon, dass ich mich zusammenreiße und auch wirklich brav mit-blogge. Ich werde das übrigens auf Englisch machen. Würde mich freuen, wenn der eine oder die andere Interesse hat und auch was postet dazu!

1 comment 30.06.2008.

Erfolgsmessung von Online Public Relations

Web 2.0 bietet ja wirklich jede Menge Möglichkeiten für Public Relations im Web: vom persönlichen eReputations-Management in unzähligen Social Networks über Corporate Blogging bis hin zur Verwendung von Social Media in der internen Kommunikation und – warum nicht? – Engagements in der Virtual Reality.

Doch was bringt das alles? Und welche Aktivitäten bringen mich meinen PR-Zielsetzungen näher als andere? Ich denke, das sind berechtigte Fragen, die sich viele PR-Verantwortliche stellen.

Zunächst ist zu sagen, dass die Existenz von PR-Zielen Voraussetzung für die Beantwortung dieser Frage ist. Das klingt banal, doch in der Praxis neigen gerade Leute wie ich (wer noch?) dazu, PR-Ziele nicht ausreichend klar zu definieren. Doch erst wenn ich ganz genau weiß, was ich erreichen will, kann ich auch überprüfen, ob mir genau das gelingt. Und ob Web 2.0 dafür einen guten Beitrag leistet.

Ich habe ja einen recht simplen Zugang zu Public Relations – der sich an den Theorien von James Grunig orientiert: “building relationships – managing interdependence – is the essence of public relations.” (Grunig, Larissa A. / Grunig, James E. / Dozier, David M. 2002: Excellent Public Relations and Effective Organizations: A Study of Communication Management in Three Countries. Lea’s Communication Series. New Jersey: Lea.: S. 10). Das heißt, will ich den Erfolg von Online Public Relations (ein Teil vom Gesamt-PR) messen, so muss ich die Frage beantworten: Sind durch den Einsatz von Online-PR Instrumenten bzw. Maßnahmen bessere Beziehungen zu relevanten Teilöffentlichkeiten entstanden?

Huch. Das ist genau der Punkt, an dem übrigens mit meiner Dissertation vor einiger Zeit schon stecken geblieben bin. Denn es ist überhaupt nicht leicht, gute Methoden zur Erfolgsmessung zu finden.

Zum Glück bin ich in letzter Zeit über ein paar Blog-Beiträge gestolpert, die mir helfen, an diesem Punkt wieder weiter zu denken – die wichtigsten sind einerseits Blog Metrics: Six Recommendations For Measuring Your Success (Avinash Kaushik) und andererseits
Five PR Measurement Trends to Watch in 2008 (Don Bartholomew).

Kurz zusammengefasst, welche Methoden Avinash Kaushik zur Erfolgsmessung von Blogs vorschlägt:

  1. Raw Author Contribution: das ist eine Kennzahl (bzw. zwei Kennzahlen) zur quantitativen Erfassung der Blog-Beiträge.
  2. Holistic Audience Growth: Anzahl der Besuche (Visits) bzw. Besucher (Unique Visitors) pro Zeitraum (meist Monat) – und die Entwicklung dieser Zahlen.
  3. Conversion Rate: Anzahl der Besucher-Kommentare / Anzahl der Beiträge
  4. “Citations” / “Ripple Index”: Anzahl an Verlinkungen auf das eigene Blog – und die Entwicklung dieser Zahl.
  5. Cost: Infrastruktur und vor allem Zeit.
  6. Benefit: Nutzen, monetär und nicht-monetär. Unter „non-traditional value“ wird auch der Wert für PR genannt ;)

Don Bartholomew (übrigens, insgesamt ein lesenswertes Blog) hat sich überlegt, was in diesem Jahr an Trends (ja, endlich ein Bezug zum Titel meines Blogs!) in der PR-Messung (nicht nur Online, sondern allgemein) auf uns zukommt:

  1. Fokus auf die Erfolgsmessung von Social Media: ganz generell geht er davon aus, dass raffiniertere Methoden zur Messung von Online Engagement und Dialog eingesetzt werden.
  2. Messung von Outcomes statt Outputs: Es wird mehr und mehr versucht, die Wirkung von PR zu messen anstatt nur rein die Anzahl an Publikationen/Nennungen zu zählen.
  3. Copyright: Content Produzenten werden vermehrt Gebühren einheben.
  4. Marketing Mix und ROI: Es wird verstärkt versucht, auch wissenschaftliche Modelle heranzuziehen, um Marketing- (Kommunikations-?)Aktivitäten direkt mit Absätzen und Marktanteilen in Beziehung zu setzen.
  5. verstärkte Bemühungen eine singuläre Metrik für die Erfolgsmessung ausfindig zu machen.

So, dieses Posting ist jetzt schon ziemlich lang. Trotzdem fehlt noch etwas Wichtiges: Ich möchte die Überlegungen von Avinash und Don dazu nützen, zu sinnvollen Methoden der Erfolgsmessung zu gelangen. Und zwar für Online Public Relations zum Zweck der Beziehungsentwicklung. Fortsetzung folgt. :)
Habt ihr Ideen, Ansätze, Fragen?

5 comments 23.01.2008.

Relationship Building Infrastructure (RBI)

Es geht nicht um den Inhalt. Es geht um Beziehungen. Das ist der Kern von Relationship Building Infrastructure (RBI). Dialogorientierte Services im Web können die Funktion haben, das Aufbauen, Verbessern und Erhalten von Beziehungen zu fördern. Genau aus diesem Grund sind sie aus PR-Sicht so interessant.

Seit langer Zeit beschäftige ich mich mit dialogorientierten Websites und der Frage, was diese für Public Relations bedeuten (können). Als ich mit meiner Dissertation zu diesem Thema begonnen habe, hat noch niemand von Web 2.0 gesprochen. Inzwischen ist dieser Terminus extrem überbeansprucht, wird von jedem in unterschiedlichen Bedeutungen genutzt und trotzdem oder gerade deshalb nicht verstanden, ab und zu auch mal zerstückelt. (Besonders beliebt ist es, 2.0 zu allen möglichen anderen Begriffe hinzuzufügen.)

Zurück zur RBI. Danke eines Hinweises von Björn habe ich einen Wired-Artikel zu Twitter gefunden. Und da steht der entscheidende Satz drin: „Twitter and other constant-contact media create social proprioception. They give a group of people a sense of itself, making possible weird, fascinating feats of coordination.

Damit ist das Wesentliche gesagt: Sogenannte Web 2.0 Dienste dienen nicht nur der Kommunikation selbst (denn da gibt es in der Tat bessere Tools als Twitter), sondern sind häufig ein hervorragendes Hilfsmittel, mit dem wir zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen, halten und vertiefen können. Sie sind eine Infrastruktur, die wir – und damit meine ich, „wir“ in allen möglichen Rollen, auch in der Rolle der Public Relations ArbeiterInnen – zum Zweck der Beziehungspflege benützen können.

Gut zu sehen ist dieser Mechanismus auch am Beispiel myspace: Die wilde, konfuse Ansammlung von Fotos, Videos und Kommentaren (in den friends comments, per bulletin space, blog oder per private message) ist eben nicht (nur) Content. Sie ist viel mehr Mittel zum Zweck der Beziehungspflege.

Wer den Sinn von Public Relations darin sieht, Beziehungen zu pflegen, für den können dialogorientierte Services im Web Relationship Building Infrastructure sein. Wenn er/sie diese auch entsprechend einsetzt ;)

2 comments 10.09.2007.

Das neue Netz? Programm online

Jan Schmidt hat heute das Programm zur hier angekündigten Veranstaltung „Das neue Netz?“ veröffentlicht.

Das neue Netz? Bestandsaufnahme und Perspektiven

[edit 24.07.2007]

Drei Programm-Punkte möchte ich herausgreifen, die mir besonders interessant erscheinen:

  • Leonhard Reinecke & Sabine Trepte (Hamburg):
    Privatsphäre 2.0: Konzepte von Privatheit, Intimsphäre und Werten
    im Umgang mit user-generated-content
    -> Ich glaube, das ist einer der zentralen Punkte im Web 2.0, an den jeder früher oder später gerät: Wie viel von mir zeige ich im Web? welche Seiten? Private, berufliche? Andere als sonst üblich? Was sind die Folgen? Viele Fragen aus meiner Sicht. Ein theoretischer Ansatz würde mich interessieren.
  • Tina Guenther (Düsseldorf) & Guido Möllering (Köln):
    Wie man Vertrauen Online untersuchen kann – ein Forschungsansatz und
    Forschungsprogramm zur Untersuchung von Vertrauen im Netz
    -> Deshalb müsste ich eigentlich nach Bamberg fahren (leider, es ist unwahrscheinlich. Ich werde zu dem Zeitpunkt einen neuen Job und viel Arbeit haben und bin nicht sicher, ob die mich gleich weglassen). Jedenfalls ist das genau der Punkt, an dem ich mit meiner Dissertation „Dialogorientierte Websites“ gerade „hänge“.
  • Florian L. Mayer & Steffen Blaschke (Bamberg):
    Kollaboration 2.0 – Wikis als neue Genres in Internet und Organisationen
    -> Ja, das ist genau der Teil, der für meinen neuen Job interessant wäre – denn ich habe da die Aufgabe, ein Intranet so zu formen, dass es die Zusammenarbeit von über mehrere Länder verteilten Büros vereinfacht … vielleicht ist das ein Argument, dass ich doch nach Bamberg fahren kann? ;)

[/edit]

1 comment 23.07.2007.


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